Fußball ohne Fußball

28. Juli, 2010

Eigentlich wollte ich ja erst zum Bundesligastart wieder Fußballbloggen, aber ein paar Meldungen sind einfach zu absurd, um sie nicht zu kommentieren.

Diego Maradona ist als Coach der Argentinischen Nationalmannschaft entlassen worden. Aber das macht nichts, weil er jetzt ja Außenminister von Venezuela werden kann. Vorkenntnisse bringt er mit, stand er doch neulich strahlend wie ein Honigkuchenpferd neben Amigo Hugo, als der – ebenfalls strahlend – den Abbruch der Beziehungen zum Nachbarn Kolumbien öffentlich verkündete. “Diktator ist eh der geilere Job. Wenn ein anderes Land dich 4:0 drauf haut, kannst du jederzeit sofort die diplomatischen Beziehungen aufkündigen und selbst entspannt im Amt bleiben.”, hat sich Maradona wohl in dem Moment gedacht.

Vor der WM dachten sich die Bayern-Altvorderen wohl folgendes: Franck Ribery ist wieder topfit, bei der Sache mit der Minderjährigen ist auch der Deckel drauf und wenn Franck eine starke WM spielt, können wir die hohen Personalkosten damit rechtfertigen, dass wir ihn im nächsten Jahr dann doch für 80 Mille Ablöse an Real verkaufen, weil er ja jetzt Vertrag bis 2015 hat. Jetzt ist Riberys guter Ruf als Spieler erstmal dahin, er ist an beiden Leisten operiert worden, für die Nationalmannschaft gesperrt und wegen seiner Nuttenaffäre wird er in Frankreich gejagt wie eine Hexe. Das ist weder der Ribery, der mit breiter Brust demnächst zum Bundesliga-Auftakt Wolfsburg an die Wand spielen wird, noch der, den man gegen eine unmenschliche Ablöse nach Spanien abverkaufen kann. Ich bin mir nicht sicher, ob sich Uli Hoeneß auch unter diesen Umständen so stark für eine Vertragsverlängerung gemacht hätte, aber noch besitzt er nicht die Fähigkeit in die Zukunft zu sehen. Das kommt erst mit 60, sagt der Franz.

Lothar Matthäus ist ein Depp. Das muss man erst mal schaffen, vom wahrscheinlich besten deutschen Fußballer der letzten 50 Jahre zur männlichen Naddel abzusteigen. Und genauso wenig wie Naddel demnächst bei DSDS in der Jury sitzt, genauso wenig wird Lothar zukünftig auf der Trainerbank vom TSV 1860 sitzen. Aber selbst schuld, warum lässt er sich auch diesen Hitlerbart stehen. Oder geht da was mit Eva Herman?

Super auch der Raul. Flennt in Madrid noch schön in die Kameras, während seine Frau schon in Düsseldorf die Boutiquen leer kauft. Angeblich hat ihn Christoph Metzelder ja ein bisschen geködert mit den guten Schulen und der Lebensqualität im Pott. Und dass man dank der deutschen Technokultur und verantwortungsvollen Veranstaltern auch richtig gut einen drauf machen kann. Nicht so wie in Spanien, wo immer so viele Leute auf einem Fleck sind und alles drunter und drüber geht.

Sonst gibt der Transfermarkt noch nichts her. Bayern kauft gar nix ein, vor allem keinen Ersatz für Demichelis, den ich immer noch für den gefährlichsten Abwehrspieler der Welt halte, leider für die eigene Mannschaft. Dass Horst Heldt jetzt für Schalke den Rotstift schwingt und Fredi Bobic in Stuttgart endlich seinen Altersposten angetreten hat, ist grade das einzig transfertechnische Highlight. Aber man darf beruhigt sein. Sobald zum Saisonstart die ersten saublöden Niederlagen eintrudeln, geht es in die letzte und entscheidene Phase: die Paniktransfers. Aber auch das kann mal gutgehen: siehe Robben.

Die spirituelle Reise

26. Juli, 2010

Wahrscheinlich hab ich gestern Nacht einfach nur zu lange das großartige “Limbo” gespielt und das Hirn hat deshalb im Schlaf Lambada getanzt, aber in meinem Traum erlebte ich ein monumentales Abenteuer.

Mit einer Gruppe von Leuten brach ich auf Lastwägen auf, um einen geheimen Schatz zu bergen. Einer der Lastwagenfahrer war ein Spion und ich schlug das Führerhaus ein und zerrte ihn aus dem fahrenen Vehikel. Der Wagen ging kaputt, der Spion entschuldigte sich fürs Spionieren und ging woanders hin.

Unsere nächste Aufgabe war, in einem unfassbar großen Multiplex-Kino mit Wasserrutsche einen Hollywood-Komödie zu sehen. Bei dieser Aufgabe zerstreute sich unsere Gruppe in alle Winde und mir fiel mein Portemonnaie in die Wasserrutsche. Also rutschte ich hinterher und war patschnass. Dann traf ich meinen Schwager und verpasste so den Film.

Die Gruppe traf sich wieder und mir fiel auf, dass einer der Gefährten nicht nur aussah wie Peter Fox, sondern auch ein pinkes Polo-Shirt trug. Ich schlug ihm auf den Hinterkopf und sagte: “Gib’s zu, du bist Schweizer. Und deine Freundin auch.” So in die Ecke gedrängt, konnte er nicht mehr leugnen und er und seine Freunden trollten sich nach dieser unangenehmen Aufdeckung.

Schließlich waren wir in den Sümpfen und tauchten dort nach dem Schatz. Ich fand einen roten iPod-Nano und mir war sofort klar: das ist er. Er funktionierte noch ganz gut, dafür dass er aus dem Sumpf kam und er spielte ein Mixtape aus Folk-Balladen der 90er-Jahre, die besonders gut in einander gemischt waren. Meine Mitreisenden waren sehr enttäuscht von dem Schatz, aber ich sagte zu ihnen: Was wir jetzt aus dieser Erfahrung machen, ist der wahre Schatz. Es ging von Anfang an um unsere spirituelle Reise. Die Kollegen murrten weiter und ich wachte dann irgendwann mal auf.

Transpirationsvarianten

22. Juli, 2010

Es gibt Schweiß und es gibt Schweiß. Es gibt den, der sich mit der Sonnencreme vermischt und mit dem Chlor aus dem Freibad. Der, der einfach den ganzen Tag über nur beweist, wie sehr die Sonne scheint. Und dann gibt es den heutigen Schweiß. Der vermischt sich mit den Abgasen, mit dem Gestank der Müllabfuhr und den Knoblauchausdünstungen vom Italiener gestern. Meine Sonnencreme ist machtlos gegen dieses Ekel.

Voo – Schnick Schnack Schnuck

21. Juli, 2010

Hier ein Viral zu Nike 6.0, aber damit kann ich leben, weil ich ja Nike gerne mag, aber in der Hauptsache weil die Musik von einer meiner Lieblingsbands stammt. VOO aus Liverpool mit einem traumhaften Instrumental. Ich kenn die Musiker noch so ein bisschen aus meinen wilderen Berliner Nächten, und die haben jede Werbung der Welt verdient. Und der Mann auf dem Fahrrad hat sich meinen Respekt nach den vier Minuten auch hart erarbeitet. Zudem: Sollte mich Nike jemals im Leben endorsen, seit ihr die ersten die’s erfahren. Nach meiner Mutter.

Voo – ‘Schnick Schnack Schnuck’ Nike ad from inhaler records on Vimeo.

Next Level, nein danke

20. Juli, 2010

Jetzt sind ja wieder diese Shows gefragt, wo Leute sich selbst oder sich gegenseitig weh tun. Wo der Zuschauer lacht, weil die Arschgeige von Halbpromi eins auf die Nuss bekommt oder in einem Raum eingesperrt ist. Ob Pro Sieben mit ihrem “Solitary” und ihrem “League Of Balls” jetzt einen Nerv getroffen haben, oder ob der Unterschicht vorm Fernseher nur täglich langweiliger wird, weiß ich nicht. Ich weiß aber, dass dieses “Next Level Entertainment” (Pro Sieben) der verspätete Verwandte von einer ähnlich gearteten Ideenlosigkeit Ende der Neunziger ist, in der Niels Ruf, Johnny Knoxdings und Beavis und Butthead ihr (F)Unwesen trieben. Vom Humorbefreier Niels Ruf (den’s angeblich immer noch gibt) mal abgesehen, war das für die Zeit schon ganz in Ordnung, weil un petit anarchisch und nicht von Sonya Kraus moderiert.

Jetzt wo Pro Sieben aber das Monopol mit Gewalt an sich reisst und sich mit ihrem Deppenwettstreit “Simon vs. Elton” nicht mehr zufrieden gibt, finde ich das bedenklich, weil wo ein “Next Level”, da auch ein “Übernext Level”, wie wir schon seit dem “Next Uri Geller” wissen. Und ich möchte nicht wissen, wie der aussieht. Es könnte ein Dschungelcamp mit induzierten Malariafällen werden. Komisch auch, dass Pro Sieben neulich fast eine Stunde Sendezeit einer mediokren Dschungelcamp-Parodie vom Switch-Team spendiert und dann im selben Atemzug gleich mal ein paar noch blödere Formate selbiger Façon hinterher schießt.

Ich persönlich finde ja diesen Jackass-Humor schon immer anstrengend unsubtil, und auch wenn ich das, was Joko und Klaas in dieser Hinsicht bei MTV Home fabrizieren (“Aushalten”, “Wenn ich du wäre”) auch nicht so derbe lustig finde, machen die das immerhin um Klassen besser als Pro Sieben und Kohorten. Warum? Weil sie nicht Sonya Kraus sind.

UFOs über Mitte

15. Juli, 2010

Neulich ist nachts eine Armada von geräuschlosen roten Lichtern ziemlich flott über mein Viertel (Mitte/Wedding) geflogen und ich habe mich gefragt, ob jetzt endlich mal die Körperfresser kommen und sich wundern wie seelenlos die Leute hier ohnehin schon sind. Aber im Ernst: hat die auch jemand gesehen? Was war das? Wetterballone (ja, ja, schon klar)? Seit der BND hier baut wie blöde, weiß man ja nicht mehr was man glauben soll…

Drei Getränke aus der Hölle

13. Juli, 2010

Das in der Überschrift angesprochene Triumvirat der flüssigen Abartigkeiten bezieht sich auf die drei schlimmsten liquiden Kulinarsünden, denen ich in diesem Jahr ausgesetzt war. Und das innerhalb von nur vier Wochen. Echt jetzt, die schäbbigsten Getränke der Saison.

The Schäbbich: Cappucino in Taormina, Sizilien, Hotel Isola Bella
Taormina ist eigentlich eine touristisch so versierte Stadt, dass man sich als Hotel bei der Unmenge an konkurrierenden Hotels keinen schlechten Service leisten kann. Könnte man meinen. Vielleicht ist es aber vielmehr so, dass es bei der Unmenge an Touristen einfach scheißegal ist, wie der Cappucino schmeckt. In unserem Hotel hab ich morgens zum Frühstück einen bestellt und Folgendes bekommen: Eine Lache braunes Wasser mit Milchflecken und Nestle-Kakao-Spritzern, die bis auf die Untertasse hinaus reichten. Geschmeckt hat er dann wie wenn du einen Filterkaffee mit der Maschine deiner seit drei Jahrzehnten verstorbenen Oma machst, kalte Milch hinzugibst, Kabapulver durch einen Strohhalm draufbläst und das Ganze drei Tage stehen lässt, bevor du es in der Mikrowelle aufwärmst.

The Schäbbicha: Mojito im Thai-Restaurant, Linienstraße, Berlin
Berlin ist eigentlich eine touristisch so versierte Stadt, dass man sich als Thai-Restaurant mit Cocktail-Happy-Hour bei der Unmenge an konkurrierenden Happy Hours keinen schlechten Service leisten kann. Könnte man meinen. Aber – HALT! – wir reden hier von Berlin. Es war beim Spiel Argentinien – Mexiko, zweite Halbzeit, als mich der Schnapps- und Minzedurst überkam. Hunger verkneife ich mir bei jenem Restaurant schon seit geraumer Zeit, es sei denn, mir ist grad nach einer zünftigen Geschmacksmittelverstärkervergiftung. Aber was kann man an einem Mojito schon falsch machen, schließlich kann jeder Dämlack Minze, Limettensaft, Pitu und Mineralwasser und Eiswürfel in ein Glas schütten. Selbst wenn man ein eher unkoordinierter Zeitgenosse ist, sollte das Ergebnis zumindest erträglich sein. Setzt allerdings die Kenntnis der Zutaten voraus. Ich bekam an jenem Sommerabend einen Kelch aus Eiswürfeln mit Zitronensaft, billigem Rum und ein paar Limettenfetzen. Ich würgte eine Weile vor mich hin, weil ich ja das Spiel sehen wollte, aber gab dann nach völliger Zitronisierung meiner Geschmacksnerven auf.

The Schäbbichst von Alle: Eiskaffee im Freibad Humboldthain
Aber auch irgendwie der lustigste Getränkefehltritt, weil total absehbar und insofern meine eigene Schuld. Also, öffentliche Freibäder in Berlin ja eh schon ein Thema für sich. Dann auch noch der Wedding, obwohl ich ihn lieb habe, gastronomisch auch eine Wundertüte, um es mal milde auszudrücken. Und Freibadimbisse mit Sitzmöglichkeiten, da ist dann eigentlich alles klar. Nichts desto Trotz hab ich mir neulich in brüllender Mittagshitze einen Eiskaffee im Freibad Humboldthain bestellt. Der dicke Mann hinter dem Tresen war sehr freundlich und hat sogleich ein großes Spezi-Glas mit seinen dicken Händen umfasst und ein paar Eiswürfel aus seiner Gefriertruhe hineinversetzt. Danach hat er aus der selben Gefriertruhe eine viertelvolle Packung Vanilleeis geholt, in der das Vanilleeis vor lauter Eiskristallen überhaupt nicht mehr zu erkennen war. Die Vanillekristalle kamen dann auf die Eiswürfel hinauf, wie man sich denken kann. Behende hat der der dicke Mann zu einem Behälter unter der Verkaufstheke gegriffen, einen großen Glasbehälter mit dünnlich brauner Flüssigkeit hervorgeholt und letzlich auf die Eiskristalle gegossen. Dann hat er einen Turm aus Sprühsahne draufgehauen, wo man nur Respekt sagen kann. Einsfünzig, sagte er zu mir und ich sagte, da kann man nicht meckern bei dem Preis.

Burnsters WM-Studio 2010 (20): Finale

12. Juli, 2010

Spanien – Holland 1:0 (nach Eishockey-Regeln, siehe übertriebene Härte)

Bela Réthy hat sich ja am laufenden Band beschwert, wie langweilig dieses Spiel sei und hätte man Spanien so spielen lassen, wie sie halt spielen, wäre es das auch gewesen. Spanien – das muß man wissen – mag keine Überraschungen, keine Geschwindigkeit, keine offenen Schlagabtäusche. Die Spanier erinnern mich an diese neue Generation junger Leute, die alles unter Kontrolle haben. Einser-Abi, Jura-Studium, Acht Fremdsprachen, 30 Praktika und drei Kinder mit Anfang dreissig und dann den Neo-Schrebergarten in Reinickendorf. Hauptsache alles unter Kontrolle. Na gut, der Vergleich hinkt ein wenig und vielleicht geht da auch der innere Gaul gegen die Generation Vollplanung in mir durch. Zurück zum Spiel: Das Spiel war natürlich überhaupt nicht langweilig, lediglich unansehnlich für jene, die keine Horrorfilme mögen. Meine Freunde aus den Niederlanden haben dem Spiel nämlich gründlich ihren Stempel aufgedrückt: den PARENTAL GUIDANCE-Stempel. Den AB 18-Stempel. RATED R for Violence. Bei zehn hab ich aufgehört, die gelben Karten zu zählen, aber es müssen am Ende wohl mindestens dreimal soviele gewesen sein, wie Spanien bei dieser WM Tore geschossen hat. Am Ende hat Spanien natürlich verdient gewonnen, aber irgendwie bleibt ein schaler Nachgeschmack, war Spanien doch Garant für die unspektakulärsten Spiele bei dieser Weltmeisterschaft. Ein Extralob geht an Metalbiest Puyol, für eine Hammer-WM und eine Hammermatte.

Was bleibt übrig nach vier Wochen Fußball: Public Viewing in Berlin Mitte entlarvt nur noch deutlicher, dass die schönen und verdrogten Leute hier nicht mehr sind. An ihre Stelle sind eher schäbig aussehende Idioten mit geschmacklosen Designerbrillen und Wollmützen mitten im Hochsommer getreten, die durch ihre bedeutungslose Agentur-Existenz, ihre Eigentumswohnung und ihre plärrenden Kinder auf den Irrweg geleitet wurden, sie wären jetzt die Coolen.

Zum Fußball sei am Ende bei allem Ärger wegen langweiliger Spiele, aufdringlicher Schlandlöcher und dem Ausscheiden der Deutschen gesagt: Es war super. Weil Fußball super ist. Auch ohne die deutsche Nationalhymne. Ich kanns kaum erwarten bis die Bundesliga wieder losgeht und überlege ernsthaft, ob ich nicht weiter über Fußball bloggen soll.

Burnsters WM-Studio 2010 (19)

12. Juli, 2010

Spiel um den dritten Platz

Aha. Dann geht’s ja plötzlich doch wieder mit Angriffsfußball, auch wenn die Hälfte der Mannschaft urplötzlich an der Spiel-um-den-dritten-Platz-Grippe erkrankt ist. Das war ein höchst unterhaltsames Spiel, was auch den großartigen Urus zu verdanken ist, die im Gegensatz zu Spanien durchaus auch den Eindruck vermittelten, sie hätten Spaß an der Sportart an sich. Irgendwann fing es an zu regnen, wie in diesem Western mit Clint Eastwood, den ich neulich gesehen habe: unvermittelt, aus der Regenkanone, infernalisch. Und nichts hätte man sich sehnlicher gewünscht an diesem Samstag, wo die Berliner clevererweise meinen Lieblingsrasensprenger vor dem Kanzleramt abgedreht haben, als da unten in dem Infernalregen auf dem Rasen zu stehen. Dafür hätte ich mich sogar freiwillig gegen einen Forlan-Freistoß ins Tor gestellt.

Am Ende muß ich noch die eigene Schulter streicheln, weil ich ja vor der WM gesagt habe, dass Müller in Südafrika die Hölle loslassen wird. Und jetzt ist er Torschützenkönig. Auf der Gewinnerseite natürlich auch “Herr Schweinsteiger” (O-Ton Bundespräsident), der mir aber langsam ein bisschen zu “leadig” wird und bitte auch nicht gleich nach jedem Abpfiff das Sixpack für die Fotografen auspacken muß. Denn, bei aller Liebe zu seinem Spiel: Herr Schweinsteiger ist und bleibt ein Bauernbub, wenn auch ein Bauernbub mit einer scharfen Alten und 99% Ball(s)besitz. Auch das Getue um die Genialität Özils ist übertrieben. Der Jung ist noch zu launisch am Ball, um in Barcelona und Umgebung wirklich was zu reissen, aber im Blut hat er’s. Zurück zum Bundespräsident: Hey Wulff, weil du mit meinen Steuergeldern unbedingt zum Spiel um den lütten Platz reisen musstest, muß ich jetzt auf den Ventilator verzichten, den ich mir bei Strauß-Innovationen kaufen wollte. Meine Frau ist auch ziemlich sauer deswegen.

Burnsters WM-Studio 2010 (18)

9. Juli, 2010

Das vergessene Turnier

Heute morgen unter heftigem Ambrosiusallergieschock aufgewacht und mit Schrecken festgestellt, dass immer noch WM ist. Aber nichts passiert, alle hocken nur rum. Die Holländer hocken schon seit einer halben Woche rum und warten auf die Spanier, die einen Tag weniger lange rumhocken. Am sinnlosesten hockt aber Jogi Löw rum, weil der kann noch nicht nach Hause und kündigen kann er auch noch nicht, der muß ja noch dieses dämliche Spiel um den dritten Platz hinter sich bringen.

Aus meiner Sicht kann die deutsche Mannschaft auch das nicht wirklich gewinnen. Ruft man den Quirlefußball des Argentinien-Spiels auf, muss man sich die Frage gefallen lassen, warum nicht gleich so gegen Spanien – steht man wieder defensiv herum, verliert man am Ende noch gegen Para-, äh Uruquay.

Ich will mich jetzt nicht hinhocken und das Spiel der Deutschen bei der WM schlechtschreiben, da war schon viel für die Galerie dabei, aber es lag nicht hauptsächlich an Spanien, dass unsere Welpen aus dem Turnier gebellt wurden. Einen kollektiven schlechten Tag zu haben ist die eine Sache, die andere ist, eine panische Angst vor der eigenen Erfolgsaussicht zu bekommen. Ich musste das ja schon einmal dieses Jahr bei meinem geliebten FC Bayern im Champions-League-Finale mitanschauen. So gesehen sollten meine Freunde Van Bommel und Robben (“I Am Arjen, Man”) wenigstens dieses Finale gewinnen.

Kann echt nicht sein, dass immer noch WM ist.